Was verstehen wir unter „Integration“?

 

Die Integration von Migranten wurde in Deutschland in den vergangenen Jahren immer wieder mal mehr oder weniger stark thematisiert. Durch das Anschwellen der Flüchtlingsströme im letzten Jahr wurde es zu dem Thema überhaupt. Es wird leidenschaftlich darüber diskutiert ...

 

Etwas, was mir bei vielen Diskussionen immer wieder auffällt, ist, dass es offensichtlich unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, was Integration überhaupt ist. Und oft habe ich den Eindruck, dass, wenn man von „Integration“ spricht, man eigentlich „Assimilation“ meint oder diese erwartet.

 

In Basics interkultureller Kommunikation gehe ich auch auf die Frage der Integration ein:

 

„Wenn man also in einem anderen Kulturkreis für längere Zeit lebt, dann ist man auch gefordert, die Kultur des Gastlandes kennenzulernen und sich in gewisser Weise zu integrieren. Dies geschieht indem man die Sprache erlernt, denn sie ist die Grundlage, um einen guten Zugang zur Kultur zu erhalten. Mit dazu gehört die Anpassung an die Gepflogenheiten des Landes, das Pflegen von Beziehungen mit Einheimischen und das Vermeiden von allem, was unnötig Anstoß erregt. Integration bedeutet jedoch nicht seine eigene kulturelle Identität aufzugeben, denn das wäre Assimilation. Integration erfolgt, indem man sich bewusst in das neue Lebensumfeld einfügt und positive Beziehungen zu den Angehörigen des Gastlandes pflegt, obwohl man eine andere kulturelle Identität hat und diese beibehält. Dabei geschieht es sehr wohl, dass diese kulturelle Identität durch den Kontakt mit der anderen Kultur verändert und bereichert wird.“ (Jürgen H. Schmidt: Basics interkultureller Kommunikation, S.131f.)

 

Vielleicht wäre es hilfreich für die ganze Integrationsdebatte darauf zu achten, dass Begriffe genau definiert werden, damit klar ist, was man meint? Wer unter „Integration“ eigentlich „Assimilation“ versteht bzw. dieses Ziel verfolgt, der sollte es dann auch mit diesem Begriff klar benennen!

 

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